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Cucagna

Geschichte der Grabung

Seit 2001 sind auf der Burg Cucagna in der nordostitalienischen Gemeinde Faedis (Friaul) archäologische Untersuchungen im Rahmen einer Forschungsgrabung möglich. Als baubegleitende und bauvorbereitende Sicherung archäologischer Befunde für die denkmalgerechte Sanierung der Burg Cucagna begonnen, konnten die Aktivitäten gezielt auf wissenschaftliche Fragestellungen ausgedehnt werden. Die Arbeiten basieren auf der umfangreichen, bereits seit 1987 in Angriff genommenen Vorarbeit des Istituto per la Ricostruzione del Castello di Chucco-Zucco unter der Leitung von Dott. Arch. Roberto Raccanello und Arch. Katharina von Stietencron. In enger Zusammenarbeit mit dem Istituto waren als Forschungseinrichtungen zuerst der Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin (Holger Grönwald M.A.) und seit 2007 das Institut für Archäologische Wissenschaften/Abteilung Frühgeschichtliche Archäologie und Archäologie des Mittelalters der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Prof. Dr. Sebastian Brather, Holger Grönwald M.A.) auf Cucagna aktiv.

Geschichtlicher Abriss zu Burg Cucagna

Die Burg Cucagna gilt als Gründung eines sich vom Hochadel ableitenden Geschlechts schwäbischer Abstammung, den Auerspergern, im Friaul. Sie gehört zu einer Konzentration von Befestigungsanlagen vor den Ausläufern der Julischen Alpen an den in die friulisch-venetische-Ebene mündenden Alpenpässen im Osten des Friaul. Eine Befestigung bei Faedis tritt in den Quellen erstmals mit einer Erlaubnis Patriarch Poppo´s (1019-1042), des letzten der drei Metropoliten, die den „Grundstock des Patriarchenstaates von Aquileia“ legten, in Erscheinung. Eine Gründungsphase der ersten Hälfte des 11. Jh. spiegelt sich im Fundmaterial tatsächlich wieder.[1] Umfangreiche Ausbaumaßnahmen der Burg im 13./14. Jh. zeugen einerseits von der wirtschaftlichen Prosperität als auch vom politischen Geschick der Adelsfamilie Cucagna, die es verstand durch gezielten Grunderwerb und Heiratspolitik ihr Netzwerk zu den bedeutenden Geschlechtern im Friaul auszubauen. Die Konsequenzen der  Auseinandersetzungen zwischen dem Heiligen Römischen Reich und dem Patriarchenstaat sowie dem expandierenden Venezianern um die Vormachtstellung im Friaul bekamen auch die Cucagnas zu spüren. Als überwiegend treue Parteigänger der Grafen von Görz und somit dem Reich zugeneigt, verloren sie im Laufe des 15. Jh. ihre prominente Stellung im Machtgefüge des Friaul. Brandzerstörungen und Erdbeben im Rahmen des Giovedi Grasso[2] und im österreichisch-venezianischen Krieg 1511 und 1522 führten dann zur Aufgabe der Burg, die inzwischen wohl kaum noch von Bedeutung war.

Ergebnisse der Grabung

Die Untersuchungen auf der Burg beschränkten sich nicht allein auf den Kernbereich der Burg, auch wenn dieser im Zuge der Rekonstruktion im Vordergrund stand. Ein weiteres repräsentatives Gebäude, Reste mehrere Mauerring und Türme sowie Wirtschaftsareale vermitteln den Eindruck, dass Cucagna während der größten Ausdehnung im 14. Jh. eher den Charakter einer kleinen, befestigten Ortschaft hatte.

Im Fundspektrum der Burg spiegelt sich nicht nur die materielle Kultur des Adels (2 Panzerhandschuhe, ein Rädchensporn, ornamentierte Truhenschlösser und reichhaltiges Tafelgeschirr) sondern auch die des Alltagsgeschehens auf der Burg (Spielwürfel, zwei Brotschieber, Flachshechel, …) wieder.

Die jüngsten Grabungskampagnen hatten zum Ziel die Situation im Ostteil des ersten Abschnittsgrabens weiter zu untersuchen. Der hier 2008 entdeckte Küchenkomplex geht auf die Umnutzung des Grabens als Wirtschaftsareal während des Ausbaus der Burg im 14. Jh. zurück. Östlich davon sichert ein weiterer, offenbar schon im Spätmittelalter zerstörter Turm den Zugang zur Burg. Dessen Zerstörungsmoment konnte in der letztjährigen Kampagne (2011) anhand eines im zerstörten Mauerwerk aufgefundenen Katapultgeschosses erfasst werden. Ein weiterer Schnitt wurde innerhalb der Ringmauer der ersten Bauphase der Burg angelegt, um Fragen zum Aufbau des hier vermuteten ersten Palasgebäudes zu klären. Auch wenn die nur kleinräumige Sondage hierzu keine weiteren Informationen lieferte, verdeutlichen eine längs des Bergsporns verlaufende Terrassierung und eine Treppe/Rampe die Oberflächengestaltung im Zuge der Nutzung des Sporns.

Ausblick

In der kommenden Kampagne gilt es einerseits den Fragestellungen zum Aufbau des ersten repräsentativen Wohngebäudes der Burg weiter nachzugehen und nach Möglichkeit die Datierung des zerstörten Turms am Ostende des Grabens zu präzisieren. Weitere Untersuchungsfelder im Bereich der äußeren Befestigungsringe sowie hinsichtlich der wirtschaftlichen Nutzung des Umfelds bieten sich an, können dem beschränkten Etat entsprechend allerdings nur sukzessiv angegangen werden.

 

 

Neben der Vermittlung feldarchäologischen Grundlagen bietet die Lehrgrabung auch die Möglichkeit Einblicke in die Fundrestaurierung und bauhistorische Untersuchungen, deren Vorgehensweise und Methoden, zu gewinnen. Im Rahmen der zeitgleich stattfindenden internationalen Lehrseminare für mittelalterliche Architektur (SEMINARI INTERNAZIONALI DIDATTICI des Istituto per la Ricostruzione del Castello di Chucco-Zucco) ist der wissenschaftliche Austausch mit Architekten, Archäologen, Bauforschern, Historikern und Kunsthistorikern möglich.

 

Holger Grönwald, Markus Brückner



[1] Etwa mit Funden aus der Umfassungsmauer der ersten Bauphase (vgl. Holger Grönwald, Cucagna, eine hochmittelalterliche Burg im Friaul, unpublizierte Magisterarbeit (Berlin 2005), S. 62-66 & 81-85 & http://uprav.ff.cuni.cz/pages/doktorandskaSkola/gronwald.pdf.

[2] Letzter Donnerstag der Maskenzeit und 1511 Beginn der großen friulanischen Bauernerhebung.

Bilder der Ausgrabungen

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