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Kooperationsprojekt Lauchheim 2018-2021

Reihengräberfeld, Hofgrablegen und Siedlung von Lauchheim

Exemplarische Analyse einer frühmittelalterlichen Lokalgesellschaft

Ein Kooperationsprojekt des Instituts für Archäologische Wissenschaften der Universität Freiburg und des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart

Projektleitung: Prof. Dr. Sebastian Brather (Freiburg) und Prof. Dr. Dirk Krauße (Esslingen)

Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft 2018–2021

 

Lauchheim-Wasserfurche stellt mit mehr als 1300 Gräbern noch immer das größte ausgegrabene Reihengräberfeld Südwestdeutschlands dar. Es bietet in Kombination mit ca. 80 Gräbern in der Siedlung Mittelhofen und der bereits ausgewerteten Siedlung selbst die einmalige Möglichkeit, eine frühmittelalterliche Lokalgesellschaft zu rekonstruieren. Eine so weitgehende und detaillierte Lokalstudie ist bislang unerreicht. Archäologisch wird die abgeschlossene umfangreiche Dokumentation für das Reihengräberfeld, die neben der üblichen Fund- und Befundaufnahme gleichermaßen die Textilarchäologie sowie zahlreiche Computertomographie-Daten umfasst, ausgewertet und um die überschaubaren Funde und Befunde der Hofgrablegen ergänzt. Beides wird mit der abgeschlossen vorliegenden Siedlungsauswertung und bereits erarbeiteten Zwischenauswertungen für das Reihengräberfeld verknüpft. Anthropologisch werden die erhobenen Dokumentationen beider Bestattungsplätze zu Geschlecht, Alter und Pathologien eingehend analysiert, ergänzt um eine archäozoologische Studie.

Ziel des Vorhabens ist es, dieses einzigartige Quellencorpus umfassend und zugleich fragestellungsorientiert abschließend auszuwerten. Dabei stellt die Projekt-Datenbank des Reihengräberfelds, in die sämtliche Daten eingepflegt wurden, den zentralen Ausgangspunkt dar, um mittels Netzwerk- und GIS-Analysen komplexe Interpretationen zu erarbeiten und zu überprüfen. In diese werden die Siedlungsbestattungen ebenso wie damit verknüpfte Siedlungsbefunde unmittelbar einbezogen. Durch ein offenes Raumkonzept sollen verschiedene Reichweiten, Ebenen und Kontexte erfasst und dadurch eine nicht allein vielfältigere, sondern durch Auflösung in mehrere Zeitschichten auch dynamischere Rekonstruktion als bislang üblich erreicht werden. Über Lauchheim hinaus gilt es zu analysieren und zu prüfen, in wie weit das formulierte Modell einer frühmittelalterlichen Lokalgesellschaft auf andere Plätze und Regionen übertragen werden kann. Die seit 30 Jahren verfolgten Untersuchungen und Projekte zum frühmittelalterlichen Lauchheim finden damit ihren Abschluss.

Projektmitarbeiter: Dr. Benjamin Höke

 

lauchheim-siedlungsentwicklung_web.jpgAbbildung: Lauchheim, Ostalbkreis, schematische Entwicklung von Siedlung und Bestattungsplätzen im Früh- und Hochmittelalter. Beide änderten im Laufe der Jahrhunderte ihre Lage, was dem aktuellen archäologischen Kenntnisstand zufolge nie gleichzeitig geschah. Möglicherweise gab es weitere Siedlungsplätze, die hier nicht dargestellt sind. Nachgewiesene Befunde sind hervorgehoben. – Die Lage des Siedlungsplatzes oder der Siedlungsplätze, deren Bewohner ihre Toten im 5./6. Jahrhundert auf dem Reihengräberfeld bestatteten, ist unbekannt. Um 700 gehörte der Bestattungsplatz (ausschließlich?) zur Siedlung im Gewann ‚Wasserfurche‘, in der gleichzeitig auf einigen Höfen Tote begraben wurden. Seit der Karolingerzeit dürfte es eine Kirche gegeben haben, und erst im Hochmittelalter wurde die – inzwischen reduzierte – Siedlung im Gewann ‚Mittelhofen‘ (was auf weitere ‚-hofen‘ hinweist) aufgegeben.

 

 

         
 


 










 

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